Love or Hate Parade 7.0 – You Can Get It If You Really Want
Demonstration

Anlässlich der Jubiläums-Kulturwoche zum 20-jährigen KTS-Bestehen rufen wir für Samstag, den 7. Juni 2014, zur Jubel- oder Pöbelparade auf: Alles für die KTS – Die autonome Geburtstags–Polonaise

20 Jahre KTS heißt für uns: Besetzungen, Räumungen, Kampf um den Erhalt, Legalisierung, Bedrohungen, Überwachung und Angriffe, gelebte Subkultur, Wagenplätze, alternative Politik, Spaziergänge auf den Dächern dieser Stadt, Kunst, Kultur und Chaos im öffentlichen Raum, Antifa, Montagsplenum und Punkakneipe. Selbstverwaltete Räume wie die KTS waren und sind wichtig für eine lebendige Gesellschaft. Sie geben Raum für das Austesten von Utopien und für solidarische Organisierung, zum Durchatmen und Entspannen. Und sie sind Schutzräume vor Angriffen auf das schöne Leben.

Im Rahmen einer Jubiläumswoche wollen wir unsere Arbeit und unsere Selbstverwaltungs-Kultur auch auf die Straße tragen. Eine Parade in allen Farben, um die verschiedenen Sachen die sonst nur an wenigen Orten passieren in die oftmals gräuliche Öffentlichkeit zu tragen. Eine Parade, um einen normalen Samstag Nachmittag durcheinander zu bringen. Eine Parade, um sich gemeinsam die Straßen und die Stadt zu nehmen. Los geht’s um 14 Uhr an der Johanneskirche.

What’s (up) KTS?

Aktuell ist das Autonome Zentrum in Freiburg in der Baslerstraße 103 angesiedelt. Das Gebäude wird durch die Stadt von der Bahn gemietet und legal zur Verfügung gestellt. Die KTS ging aus den Besetzungen ehemaliger Kasernengebäude im Vauban der frühen 1990er Jahre hervor und hat mittlerweile einen unbefristeten Vertrag mit der Gemeinde und die wiederum mit der Deutschen Bahn, der Eigentümerin des Hauses. Die legale Struktur der KTS ist für uns kein Selbstzweck und auch nicht unser Traumzustand, aber wir können uns auch nicht den Realitäten Mitte der 2010er Jahre verschließen. Keinesfalls werden wir unser Handeln an diesen Status anpassen, KTS bleibt Gefahrengebiet!

Die KTS bietet vielen Menschen und (politisch- und künstlerisch aktiven) Gruppen Räume und Infrastruktur, die sie für die Umsetzung ihrer Projekte brauchen. Die Bandbreite reicht über den Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse bis hin zu Beratungen, Kneipen, Konzerten, Verköstigung, Vorträgen und Sportlichem. Überall auf der Welt versuchen Menschen Freiräume zu erkämpfen, um sich fernab der Verwertungslogik entfalten und organisieren zu können. An viel zu vielen Orten wird dies unseren Freund_innen jedoch schwer gemacht und oftmals gewaltsam repressiv unterbunden. Das AZ muss auch eine Plattform der Solidarität sein, mit der wir unsere Freund_innen unterstützen können. Wir versuchen lokale aber auch überregionale Kämpfe, um ähnliche Räume mitzugestalten und helfen auch sonstigen solidarischen und staatskritischen Initiativen.

Häuserkämpfe, AZs, Wagenburgen...

Wir verstehen uns als ein Projekt, welches in einer Kontinuität mit den Kämpfen um Häuser und Plätze durch die Jugend- und Hausbesetzer_innen-Bewegung der 70er und 80er Jahre steht. Nach deren Höhepunkt und zunehmender Legalisierungen linker Projekte und Zerstörung linksradikaler Grundlagen wurde im Glacisweg das AZ besetzt, welches nach vier Jahren aus ungeklärten Gründen niederbrannte. Eine breite Subkulturszene trug trotz wachsender Resignation die Idee des Autonomen Zentrums weiter, bis nach dem Mauerfall und nach zahlreichen weiteren Häuserräumungen im gesamten „Bundesgebiet“ sich eine neue Zeit der Besetzungen anbahnte. Nachdem viele Verhandlungsinitiativen um einen subkulturellen Treff ins Leere gelaufen waren, wurden neue Besetzungen alter Vauban-Kasernen organisiert.

Hier entstand die KTS, als „Kulturtreff in Selbstverwaltung“, aber auch als Anspielung auf die zunehmende Gentrifizierung der Bahnhofsachse und des dortigen Konzerthauses, dessen Arbeitstitel „KTS“ wir ihnen letzten Endes abgenommen haben. Zunehmend gab es Wagengruppen, die sich auf dem – von nun an über Jahre auch praktisch umstrittenen – Areal niederließen... Nach mehr Repression und weiterem Rückzug autonomer Politik und nach Verhandlungen um ein Ersatzobjekt eröffnete die KTS offiziell am 14. Februar 1999 in der Baslerstraße 103, wo wir uns auch heute noch befinden.

Erst im Jahr 2004 wurde es Aufgrund einer Kündigung der Deutschen Bahn nochmal unangenehm. Mehrere große Demonstrationen, Paraden und Interventionen auf vielen Ebenen waren von Nöten, um den Erhalt der KTS zu erzwingen. Auch in den Jahren danach ging die Repression gegen unsere Freund_innen aus den Wagenburgen und gegen die Besetzer_innen weiter. Viel Aufwand wurde betrieben, um die Wageburg der Schattenparker und Stellplätze für die Freiburger Straßenpunx durchzusetzen. Kämpfe um Räume wie diese müssen Gegenstand unserer Politik sein – heute wie morgen.

Green-City? WTF???

Die Stadt Freiburg vermarktet sich als „alternativ“, legt alternativen Wohn- und Lebensformen jedoch meist Steine in den Weg. Mit ihrer Vertreibungs- und Unterdrückungspolitik setzt sie einen Trend für die grün-rote Landesregierung. Als keinen Deut besser erweist sich der Wohn- und Mietenwahnsinn in dieser Konstellation. Im Gegenteil: Der kapitalistische Trend der Stadtentwicklung verhindert für zahlreiche Menschen in Würde in dieser Stadt zu leben. Während günstige Wohnalternativen unterbunden werden, ufert die Repression gegen Obdachlose, Migrant_innen und weitere sogenannte Minderheiten aus. Ein europaweites Phänomen, dem sich auch das grüngeschminkte Freiburg nicht entzieht. Uns ist der Ausbau und Erhalt solidarischer Strukturen und ein würdiges Leben für alle ein Herzensanliegen.

Um so mehr widerstreben uns Razzien und Überwachung gegen die freie Presse, sich häufende faschistische Übergriffe und staatliche Angriffe auf unsere Häuser und Plätze, wie sie auch hier zum Alltag gehören. Direkt betroffen sind in diesem Frühjahr wieder einmal unsere Kolleg@s der Wagengruppe „Sand im Getriebe“. Nach völlig einseitigem Verhandlungswillen und einer endlos scheinenden Odyssee gipfelte der Wagenkampf am 14. April in der städtischen Beschlagnahme von elf Wagen im Freiburger Osten. Auch die Videoüberwachung unseres Hauses am letzten Januarwochenende diesen Jahres vergessen wir nicht.

Kampf um freie Räume in der Stadt

In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Auseinandersetzungen um Häuser und Plätze in dieser Stadt. Es kam meist zu Räumungen und nur zeitweise zu einem Infrastrukturgewinn. Die Wagenburg Rhino wurde nach zwei Jahren ersatzlos zerstört. Die Goethestraße 2 und 43 wurden nach kurzer Zeit geräumt, wie auch die Spittelackerstraße, die Freiligrathstraße 99, Johann-Sebastian-Bach-Straße, das Ex-Z, die Freie Antonia in der Kirchstraße und einige weitere.

Die Gartenstraße 19 besteht als eine der wenigen Ausnahmen, trotz Schikanen und Angriffen durch Ordnungsbehörden, Nachbar_innen und Rechtsradikale. Nazis haben sich in den letzten Jahren auch in der Region Freiburg als wahrnehmbare Bedrohung profiliert. Um so mehr braucht es Räume wie unsere Häuser und Plätze, mit einer klaren antifaschistischer Ausrichtung, um ihnen entgegen zu treten.

Zu diesen Räumen gehört auch das KuCa an der Pädagogischen Hochschule – seit 30 Jahren ein studentischer Kulturtreff und akut bedroht. Wenn es nach den Plänen der Stadtplaner_innen geht, könnte das über Jahre gewachsenen, selbstverwaltete Projekt im Pavillon an der Höllentalstraße schon im Herbst 2014 abgerissen werden.

Viele der so wichtigen Treffunkte für Jugend, Bildung und (unkommerzielle) Kultur haben Schwierigkeiten zu bestehen, so groß ist der ökonomische Druck. Dies trifft nicht nur JUZen und alternative Räume in Freiburg. In vielen Städten sehen sich junge Leute den Schikanen verbrämter Stadtverwaltungen gegenüber. So aktuell in Aachen, Reutlingen, Schopfheim, Frankfurt, Basel, Dijon und anderswo.

Auch die Kämpfe der Wagenburgen sind natürlich seit jeher eng mit denen der KTS verbunden. Wagenleben wird nach wie vor kriminalisiert, auch wenn die Stadtverwaltung gerne auf den vorläufig legalisierten und völlig überfüllten Wagenplatz der Schattenparker verweist.

Wir rufen aus aktuellem Anlass zu besonderer Solidarität mit dem bedrohten KuCa in Littenweiler und den Wagenburgen auf, die derzeit in Freiburg am Straßenrand stehen, keine Karren mehr haben und/oder auf Platzsuche sind!

Das Sahnehäubchen der autoritären Stadtpolitik Freiburgs kommt in diesem Jahr direkt aus dem Gemeinderat. Dort hat sich eine knappe Mehrheit für die Einführung eines sogenannten Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) beim Demokratiespiel durchgesetzt, was die Einführung von 18 Stadtsheriffs zur Befriedung der Innenstadt zusätzlich zur „normalen Polizei“ bedeutet. Nach Schikanen wie der Kriminalisierung sogenannter „Wildplakatierer“, inflationär beschlossener Allgemeinverfügungen und Festverbotswellen kommt wieder einmal das wahre Gesicht unserer „Vertreter_innen“ zu Tage. Sie wollen eine eigene Knüppelgarde zur Verteidigung ihres repressiven Demokratieverständnisses. Die Schikanen mit Bullengroßaufgeboten und Freiheitseinschränkungen zu den diesjährigen Straßenfesten und Demos rund um den 1. Mai im Grün sind nur ein Abbild davon.

Eine Stadt für Alle sieht anders aus! Verteidigt die Freiräume! KOD bleibt scheiße!

20 Jahre KTS und kein Ende in Sicht

Die KTS hat sich in zwanzig Jahren mit vielen Höhen und Tiefen als ein subkultureller Freiraum autonomer und libertärer Gruppen in der Region und darüber hinaus etabliert. Wir wollen uns an dieser Stelle für die viele Unterstützung von seiten progressiver Menschen in dieser Stadt und an anderen Orten bedanken. Unsere Selbstverwaltung lebt und kratzt noch immer – wenn Sie nicht tollt oder faulenzt – am grünen Schein dieser Stadt.

Am 7. Juni wollen wir in einem entschlossenen Umzug unsere verworrene Kunst, unseren Punk und unseren Green-City-Antagonismus in die Stadt tragen und Solidarität mit linken Kämpfen in nah und fern demonstrieren. Wir laden zur kreativen Parade mit Musik, Tanz und vielen Überraschungen!

Hoch die internationale Solidarität – Anarchism & Communism Yeah!!!

Intergalaktisch-autonomistischer Umzug am 07.06.2014 - 14.00 Johanneskirche – Freiburg im Grießbrei KTS & Sand-im-Getriebe

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