Demokratie- oder Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien?
Freitag, 27.04.2018, 20:00, Infoveranstaltung der Autonomen Antifa mit Ralf Streck

Mit großer Wucht sind die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens mit der Inhaftierung des „legitimen“ katalanischen Präsidenten Carles Puigdemont auch in Deutschland für eine breite Öffentlichkeit deutlich geworden. Zuvor hatte vor allem das Referendum für Schlagzeilen, als die katalanische Bevölkerung gegen massive Gewalt aus Spanien am vergangenen 1. Oktober über die Unabhängigkeit abgestimmt hat und sich mehr als 90 Prozent dafür ausgesprochen hat. Den Auftrag hatte das katalanische Parlament umgesetzt und die Unabhängigkeit am 27. Oktober erklärt.

Die Antwort Spaniens war, das seit Jahren jeden Dialog mit Katalonien verweigert: Aussetzung der Autonomie, Zwangsverwaltung aus Madrid, Absetzung der Regierung und Verhaftung von Aktivisten und Ministern und immer neue Anklagen wegen angeblicher „Rebellion“, womit in Spanien ein bewaffneter Aufstand bezeichnet wird. Vor allem unter diesem Vorwurf betreibt Spanien die Auslieferung von Puigdemont und seiner Mitstreiter, um sie bis zu 30 Jahre ins Gefängnis stecken zu können.

Da die aus Spanien verordneten Zwangswahlen im Dezember an den Mehrheitsverhältnissen in Katalonien nichts geändert, wird derweil über die spanische Justiz verhindert, dass Kandidaten der Unabhängigkeitsbewegung ins Präsidentenamt eingeführt werden konnten, was sogar die Vereinten Nationen nun schon gerügt haben.

Auf der Veranstaltung soll nicht nur über die Vorgänge und die Hintergründe des Konflikts berichtet werden. Es soll auch die Frage beleuchtet werden, mit welcher Bewegung wir es zu tun haben. Ist es eine nationalistische Bewegung – wie in den deutschen Medien gerne dargestellt - oder haben wir es mit einer breiten antifaschistischen Demokratiebewegung zu tun, die wegen massiver Demokratiedefizite im postfaschistischen Spanien aufbegehrt?

Denn in Spanien hat es nie einen wirklichen Bruch mit der Franco-Diktatur gegeben. Die alten Seilschaften sind weiter aktiv und es kann nur von einer gelenkten Demokratie gesprochen werden, in der Korruption blüht und die Justiz durch fehlende Unabhängigkeit glänzt. Es war der Diktator Franco, der die Monarchie restauriert und den König zu seinem Nachfolger und Militärchef ernannt hat. Das sind einige der Gründe, warum sich viele Katalanen dafür entschieden haben, diesem Land den Rücken kehren und das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, da ein Bruch mit dem „Regime von 1978“ in Spanien unmöglich erscheint.

Ralf Streck verfolgt als Journalist seit vielen Jahren die Entwicklung in Katalonien und hat die umwälzenden Ereignisse der letzten Monaten auch vor Ort verfolgt. Er wird über die Hintergründe, die aktuelle Situation und die mögliche Zukunft berichten.

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