Der Gegen-Staat. Zur politischen Romantik der RAF
Donnerstag, 26.04.2007, 20:00, Info

Dargestellt und kritisiert werden soll die Praxis der RAF als extreme, das heißt: konsequente Form des Staatsfetischismus. Die RAF, das war der Gegen-Staat, der dem Souverän sein Gewaltmonopol entgegenstellte und den Anspruch auf sein ureigenes Recht erhob, Gefangene zu nehmen und über sie zu richten; den Unterschied zu machen zwischen Zivilisten und Kombattanten; zu definieren, was das Volk ist, wer dazu gehört und wer nicht. _Dabei hat die RAF doch mit einer furiosen Kritik an der Praxislosigkeit und dem zähen Objektivismus der Linken begonnen und dagegen die organisatorische Kraft der Tat gesetzt! Aber sie blieb damit im Fragehorizont ihrer bürgerlichen Subjektivität, reproduzierte die schlechte Endlichkeit des Staates en miniature. Schon in ihrem radikalen Existenzialismus ist die politische Romantik angelegt. Dass die RAF ein Produkt der Romantik gewesen ist, das fällt auch ihren staatstragenden Kritikern auf: Da werden Baader & Co gerne mit Figuren aus den Romanen Dostojewskijs verglichen und ihre Gewalt als apolitische bloßgestellt. Die Entpolitisierung der RAF bezweckt vor allem eins: Die Heiligsprechung der anderen Seite, des ganz und gar politisch handelnden Staates. Damit wird die Dialektik von Staat und Gegen-Staat verschwiegen: So wie die RAF den Staat brauchte, um sich daran aufzurichten, so ist sie längst zu einem konstitutiven Moment der ideologischen Staatsapparate Deutschlands mutiert. Was wären sie ohne Christian Klar?

Vortrag und Diskussion mit Felix Klopotek aus Köln, Autor u.a. für Jungle World, KONKRET und Intro. Er hat im September 2005 in der KTS einen Vortrag zum Thema „Staats- und Parlamentarismuskritik“ gehalten.

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