NEUER “NS-SPRECHGESANG?”
Samstag, 02.06.2007, 20:00, Vortrag

Chaoze One einmal anders: Der Rapper berichtet über die aktuellen Entwicklungen im Fall Nazirap und beleuchtet die neuesten Irrungen und Wirrungen zwischen neuer Rechter und Rap. HipHop in Deutschland ist nicht mehr nur zuweilen schwulen- und frauenfeindlich, sondern gerne auch mal antisemitisch und national. Acts wie die Kieler Gruppe Mc Pain rappen: „Türken werden immer reicher und Deutsche immer ärmer“, Ronald McDonald von der Band MOR schickt „Kinder ins KZ“ und Kollegen in „Gasduschen“ und die Rap-Gruppe DissauCrime aus Dessau verkünden auf ihrem Album „Zyklon D Frontalangriff“: „Ich schieße mit der Flak auf das ganze Judenpack“ und: „Ja, ich bin ein Nazi, Von wegen Stasi, Ich schlag’ sie, Die SS hab ich alsRückendeckung“. Kruder Nazi-HipHop dieser Art ist zwar ein Randphänomen der Szene, aber nationalistische Töne hört man inzwischen auch im Mainstream. So demonstrierte das Berliner HipHop Label „Aggro Berlin“ in Person seines Künstlers Fler, dass rechter Rap sogar chartfähig ist. Die rechten RapperInnen verstehen sich dabei in den wenigsten Fällen selbst als Nazis und haben oftmals MusikerInnen mit migrantischem Bakkground in ihren Reihen. Was hier inszeniert werden soll, ist etwas anderes: Tabubruch. Der linke HipHoper und Buchautor Hannes Loh (Anarchist Academy) analysiert: „Die Typen sind keine Nazi- Rapper, sondern Tabubrecher. Ronald McDonald und MOR definieren sich selbst als Antifaschisten und sehen ihre Texte nur als krasse und übertriebene Lyrics an, die sie nicht ernst meinen." Diese „neue deutsche Härte“ im HipHop trägt aber vermehrt dazu bei, rassistische und antisemitische Klischees szenefähig zu machen und lässt reaktionäres Vokabular Teil der Jugendsprache werden. Außerdem soll sie vermeintliche deutsche Minderwertigkeitsgefühle übertönen: Die bewusst eingesetzten Tabubrüche von Fler und sein Image des stolzen deutschen Jungen, der sich bei den AusländerInnen erst durchboxen musste, scheinen seinen Fans den Weg dafür zu bahnen, endlich "Deutsch-Rapper" sein zu dürfen, die sich nicht mehr vor all den stolzen AusländerInnen schämen müssen.

Der Referent Chaoze One hat sich selbst seit Jahren in der HipHop-Szene einen Namen gemacht und wird im Anschluss an seinen Vortrag noch seine Lieblingsplatten auf die Turntables werfen.

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