HALBMOND & HAKENKREUZ
Sonntag, 03.06.2007, 20:00, Vortrag

Ausgehend von den ersten gewalttätigen Ausbrüchen des palästinensischen Nationalismus in den frühen 20er Jahren werden die Anfänge der deutsch-arabischen Beziehungen dargestellt und die ideologischen Überschneidungen mit dem Nationalsozialismus analysiert. Mit der Landung des Deutschen Afrikakorps im Februar 1941 in Libyen begann die direkte deutsche Intervention im arabischen Raum. Damit waren weitreichende strategische Planungen zur Eroberung des gesamten Nahen und Mittleren Ostens verbunden. Für 1942 war die Ausweitung der Shoah über Europa hinaus geplant. Unter tatkräftiger Mithilfe von arabischen Kollaborateuren sollte auch in Palästina der Massenmord an den Juden organisiert werden. Das dazu erforderliche deutsche Personal wartete nur auf den Marschbefehl. Der Panzerarmee Afrika unter Feldmarschall Erwin Rommel war im Sommer 1942 ein Einsatzkommando der Sicherheitspolizei und des SD beigeordnet. In Erwartung eines siegreichen Vormarsches Rommels nach Ägypten und Palästina wurde das Einsatzkommando ermächtigt, “in eigener Verantwortung gegenüber der Zivilbevölkerung Exekutivmaßnahmen zu treffen”. Im Klartext hieß das: die Shoah auf den Nahen Osten auszudehnen und die dortige jüdische Bevölkerung zu ermorden. Die Leitung des Einsatzkommandos übernahm SS-Obersturmbannführer Walther Rauff, der zuvor im Reichssicherheitshauptamt für die “technische Ausrüstung” der Einsatzgruppen in Osteuropa und den Betrieb mobiler “Gaswagen” zuständig gewesen war. Mit der deutsch-italienischen Niederlage in Ägypten war die Kollaboration von arabischen Muslimen mit dem Nationalsozialismus noch nicht beendet. Unter anderem folgten Aufstandspläne zur Revolutionierung der Maghrebstaaten und umfassende Rekrutierungen von Muslimen für Wehrmacht und SS. Ein Blick auf die Nachkriegsgeschichte soll die erstaunlichen Lebenswege der wichtigsten deutschen und arabischen Protagonisten dieser bisher weitgehend unbekannten Aspekte aus dem Zweiten Weltkrieg beleuchten und die Aktualität des Themas verdeutlichen.

Es spricht Martin Cüppers (Berlin), Mitarbeiter der Forschungsstelle Ludwigsburg und Co-Autor des Buches von Klaus-Michael Mallmann/Martin Cüppers: Halbmond und Hakenkreuz. Das “Dritte Reich”, die Araber und Palästina, Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 2006.

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